Die Favoriten der Designer

Braun-Design. Die Favoriten der Designer

Designer Liebe

Perfekt entwickelt, höchst funktionalistisch, umwerfend und vereinfachend schön. Das ist der aufregende Mix, durch den Designer überall dem Zauber von Braun erliegen.

Das 20. Jahrhundert ist übersät mit kultischen Designmomenten, alle eine Explosion konzentrierter Brillianz, die den kreierten Objekten die Fähigkeit verleihen, stark und schön zu überdauern, über Jahre und sogar Jahrzehnte. Denken Sie an Coca Colas revolutionäre Konturflasche, an die Karosserie des Jaguar E-Type aus dem Jahr 1961, an den „Meisterstück 149“ Füllfederhalter von Montblanc. Braun hat viele solcher legendären Designs hervorgebracht und wird oft als die Inspiration für die aufsteigenden Designstars von heute zitiert. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen und gefragt, wie sie sich in diesen Designstandard verliebt haben.

Benjamin Hubert

Statistik: Benjamin Hubert ist der Gründer des Londoner Design- und Forschungsstudios Benjamin Hubert Ltd. Seit seinem Abschluss an der Loughborough Universität in den 2000er Jahren arbeitete er in Bereichen, die so vielseitig waren wie Telekommunikation, Transport, Kosmetik, Pflege und Verpackung. Zu den aktuellen Kunden zählen Nike, Samsung und BMW.

„Der erste Rasierer, den ich gekauft habe, war von Braun. Später erfuhr ich von Brauns legendärem Designer Dieter Rams. Er ist ein Designer, vor dem ich den größten Respekt habe, wegen seiner strukturierten Herangehensweise beim Entwurf von Produkten, die ruhiger und nützlicher sind. Der Rasierer eröffnete ein Bewusstsein für die Geschichte von Braun und spielte eine wichtige Rolle während meiner Jahre an der Universität, als ich Industriedesign und Technologie studierte.“

Hubert hat allen Grund, Rams als Inspiration zu zitieren. Eine legendäre Figur, ein Unikat und ein einzigartiges Talent, seine Brillanz zeigte sich zum ersten Mal, als er für das Braun SK Radio auf so hervorragend klare und perfekte Weise einen Acrylglasdeckel entwarf. Aber sein wahres Genie lag darin, dass er das Auge des Designers in allen Bereichen einsetzen konnte. Neben seiner führenden Rolle bei Braun in der Mitte der Sechzigerjahre war er in vielen Designwelten zu Hause, von Inneneinrichtungen bis zum Entwerfen von Möbeln für das bei Architekten so beliebte Möbelhaus Vitsoe. Diese Freiheit bei der Kreation offenbarte auch eine echtes Bekenntnis zu den Designidealen von Braun selbst, wo man seinen Forscherdrang unterstützte.

Als erfahrener Designer ist Huberts Bewunderung für das Unternehmen heute sogar noch größer.

„Es geht darum, der Beste seiner Klasse zu sein. Es gibt das Klischee, dass Braun-Design eine gewisse Strenge verlangt, die typisch für Nordeuropa ist, aber Braun ist ein globales Unternehmen mit Fabriken auf der ganzen Welt und die Entscheidungen kommen aus der ganzen Welt. Die Teams der Techniker und Designer reden miteinander. Das Ergebnis sind Produkte, die extrem gut entworfen sind und eine sehr hohe Verarbeitungsqualität aufweisen. Es geht um intelligente und leistungsstarke Produkte. Sie sind Marktführer in Technik und Leistung. Das sind sie.”

Huberts Braun-Ikone

„Die Wand Stereo Anlage. Ein riesiges Achtspur-Bandgerät mit zwei Lautsprechern und einer großen Aluminiumfront. Sie ist schön. Ich habe versucht, sie gebraucht zu kaufen.“

Huberts Alltags-Braun

„Ich habe einen Braun Wecker. Ich rasiere mich nie, weil ich in East London lebe und das dort absolut verpönt ist.“

Heather Martin

Statistik: Heather Martin ist Vice-President of Design bei Smart Design und arbeitet am Londoner Standort. In der Vergangenheit hat sie bei IDEO an Pradas Flagship-Store in New York City gearbeitet und für eine Privatjet-Airline mit Lufthansa Technik ein Unterhaltungssystem für Flüge entwickelt. Sie gründete auch das Copenhagen Institute of Interaction Design. Die Zeitschrift Wallpaper zitierte sie einmal als eine der 40 weltweit einflußreichsten Designer unter 40. Sie ist jetzt Kreativdirektor bei Großprojekten und kreiert neue digitale Produkte und Dienste für Fortune 100-Kunden auf der ganzen Welt.

„Ich bin seit Jahren ein großer Fan von Braun. Als ich vor 25 Jahren meine Karriere als Produktdesigner begann, waren Braun und Apple die Design-Mekkas. Ich denke, dass noch immer einer starke Verbindung zwischen Apple und Braun besteht und ich glaube auch, dass Apple am Hauptsitz Braun-Produkte ausstellt. Sir Jonathan Ive, der Leiter von Apple-Design, war an meiner Universität. Er war sogar schon damals ein Genie – schon alleine durch die Einfachheit dessen, was er tat. Ich fühlte mich von seiner Ästhetik, seinem Design und seiner Denkweise angezogen auf dieselbe Weise, wie ich mich von dem, was Dieter Rams tag, angezogen fühlte. Ich finde, sie sind einander in ihrer Philosophie und Herangehensweise sehr ähnlich.“

Martin ist nur eine von vielen, die die Ästhetik der beiden miteinander vergleicht. Zwischen beiden Ikonen besteht eine verbindende Formensprache: Die so brillant einfachen und geschwungenen Kanten am Braun T3 Taschenradio, ein klarer Design-Maßstab kanalisiert in die ikonische Kontur des iPods mit den abgerundeten Ecken. Die schlanke, ultra-minimalistische Funktionalität der Linien von Brauns LE1 Lautsprecher inspiriert ähnliche Überlegungen im Imac, während im Braun Infrarotsender ein gelochtes Metalldetail im Mittelpunkt steht, das auch an der Apple iSight Kamera verwendet wird.

Für Designkenner ist diese Aufmerksamkeit für Detail und Form faszinierend und spricht das Herz an.

„Braun hat mir ein großes Buch gegeben, in dem jedes einzelne Produkt, das sie jemals entworfen haben, enthalten ist. Die Objekte sehen so großartig aus. Noch heute ist es erstaunlich, sie anzusehen. Zu Hause habe ich einen dieser Braun-Rechner mit den braunen Tasten. Ich habe ihn auf einem Flohmarkt in New York vor 20 Jahren gekauft. Ich liebe ihn. Die Farben, die Einfachheit, die Ausgewogenheit und der Raum sind wunderbar.“

Martins Braun-Ikone

„Schneewittchensarg – der SK4 Plattenspieler.”

Martins Alltags-Braun

„Ich habe einen Wecker. Es ist der kleine quadratische.

Er ist so klein und so einfach. Ich habe auch eine MPZ 4 Zitruspresse und einen MR300 Stabmixer.“

Vivian Wai Kwan Cheng

Statistik: Vivian Wai Kwan Cheng ist Gründer der Designberatung Vivian Design. Nach einer Ausbildung in Industrial Design an der Hong Kong Polytechnic University begann sie ihre Karriere als Uhrendesignerin und konzentrierte sich später auf Modeaccessories.

„Als ich Design studierte, war der Bauhausstil Teil des Studienplans. Wir liebten ihn. Als Frau aus Asien erlebte ich den Aufstieg des japanischen Product Designs in den 1980er Jahren, das ganz anders war als das europäische Design. Alles war schicker und mit mehr Funktionen, die oft unnötig waren. Die Produkte waren kompliziert und sehr farbig. Ich verstehe nicht, warum sie so sein mussten.“

„Ich entdeckte das Braun-Design als Studentin vor über 30 Jahren. Das war, als sie den Rasierer mit dem Gehäuse aus Edelstahl und den Gummipunkten machten. Es war fantastisch, so eine große Revolution im Design. Davor war ein Rasierer einfach ein Werkzeug, mit dem man sein Gesicht rasierte, aber plötzlich wurde es ein cooles, modernes Produkt – das nicht nur funktionell war.“

Wai Kwan Chengs frühe Leidenschaft für das Bauhaus und den Reiz der Braun-Design Ästhetik ist kein Zufall. Erwin Braun bekannte sich so sehr zum Ideal von formschönen Produkten, dass er Designer von der Hochschule für Gestaltung in Ulm, die die Arbeit der Bauhaus-Bewegung weiterführen wollte, suchte.

„Ich glaube, jetzt kehren wir zu einem neuen Bauhausstil zurück. Die Menschen versuchen, alles im Design zu minimieren. Die Menschen haben verstanden, dass sie nicht so viele Details brauchen. Wir sind heute zufrieden mit unserem Technologieniveau, daher brauchen wir nicht so viele kleine Knöpfe, um zu sagen: ‚Ich bin Hightech!‘ Heute wollten die Menschen ein funktionelles Produkt, das cool aussieht. Braun bringt diesen Stil und Geschmack, der einfach, elegant, sauber und direkt ist.“

Wai Kwan Chengs Braun Ikone

„Eines der älteren Arthur Braun SK Radios ungefähr von 1955. Es war ein legendäres Produkt für die 50er Jahre.   Wann immer ich eine ähnliche Proportion und ein ähnliches Design auf dem Markt sehe, erinnere ich mich immer an dieses Radio.“

Wai Kwan Chengs Braun Alltagsgegenstand

„Ich habe eine Zahnbürste und einen Haartrockner. Obwohl mein Haar sehr kurz ist, föhne ich es jeden Morgen. Ich habe auch einen Rasierer, den ich für meine Familie gekauft habe.“

Sich in ein wirklich legendäres Design zu verlieben, heißt, den Wert vollkommen schlichter Funktionalität zu verstehen. Wie im 20. Jahrhundert der amerikanische Architekt Louis Kahn sagte: „Design bedeutet nicht, Schönheit zu erzeugen, Schönheit entsteht aus Selektion, Affinitäten, Integration, Liebe.“